Fit-and-Proper-Prüfung
Prüfung, ob VR-Kandidierende fachlich geeignet, persönlich integer und zeitlich verfügbar sind, regulatorisch verankert insbesondere im Finanz- und Versicherungsbereich.
Definition
Die Fit-and-Proper-Prüfung ist die formelle und materielle Prüfung, ob eine Person für ein VR- oder Leitungs-Mandat geeignet ist. Geprüft werden drei Dimensionen:
- Fit: fachliche Eignung (Ausbildung, Erfahrung, branchen-spezifisches Wissen).
- Proper: persönliche Integrität, guter Ruf, ethisches Verhalten.
- Zeitliche Verfügbarkeit für das Mandat.
Hinweis: Fit-and-Proper ist ein in der Beratungs- und Vermittlungs-Praxis von vrmandat.com etablierter Begriff. Im Schweizer Finanz- und Versicherungssektor ist er regulatorisch verankert (FINMA-Rundschreiben 2008/24, Bankengesetz Art. 3). In anderen Branchen wird er als Best Practice angewendet, ohne dass eine breit zitierte wissenschaftliche oder einheitlich verbindliche Definition existiert.
Rechtsgrundlage und Anwendungsbereich
Verbindliche Branchen
- Banken nach Bankengesetz Art. 3.
- Versicherungen nach Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG).
- FINMA-bewilligte Vermögensverwalter nach FINIG.
- Kollektive Kapitalanlagen nach KAG.
- Weitere FINMA-regulierte Finanzdienstleister.
Das FINMA-Rundschreiben 2008/24 ("Überwachung und interne Kontrolle Banken") sowie ergänzende FINMA-Wegleitungen konkretisieren die Anforderungen.
Best-Practice-Anwendung
In nicht-regulierten Branchen wird die Fit-and-Proper-Prüfung als Best Practice empfohlen, insbesondere bei:
- Börsenkotierten Gesellschaften (Swiss Code).
- Gesellschaften mit institutionellen Investoren.
- Gesellschaften in heiklen Branchen (Healthcare, Energie, Rüstung).
- Stiftungen mit Eidgenössischer Aufsicht.
Komponenten der Prüfung
Fit (Fach-Eignung)
- Ausbildung: akademische und berufliche Qualifikationen.
- Berufserfahrung: in vergleichbaren Funktionen und Branchen.
- Spezifische Kompetenzen: Audit, Finanzen, Risk, Compliance, je nach Funktion.
- Aktualität: kontinuierliche Weiterbildung.
- Sprach-Kompetenzen: je nach Geschäftsfeld.
Proper (Persönliche Integrität)
- Einwandfreier Leumund: keine relevanten strafrechtlichen Vorgänge.
- Compliance-Historie: keine schwerwiegenden Vergangenheits-Probleme.
- Reputations-Status: keine medialen oder regulatorischen Belastungen.
- Interessenkonflikte: keine wesentlichen ungelösten Konflikte.
- Betreibungsregister: geordnete finanzielle Verhältnisse.
Zeitliche Verfügbarkeit
- Mandatsanzahl: Swiss Code empfiehlt Beschränkung (oft 4 bis 5 Mandate maximal).
- Operative Belastung: Vereinbarkeit mit Hauptberuf.
- Geografische Verfügbarkeit: für Sitzungen und Ad-hoc-Themen.
- Krisen-Reserven: Bereitschaft zu intensivem Engagement in Krisen.
Prüfprozess
In regulierten Branchen
- Interne Prüfung: durch VR-Präsidium, Nomination Committee, Compliance.
- FINMA-Meldung: mit umfassendem Dossier.
- FINMA-Prüfung: mit Möglichkeit von Auflagen oder Ablehnung.
- Laufende Überwachung: Mutationsmeldungen bei wesentlichen Änderungen.
In nicht-regulierten Branchen
- Anforderungsprofil-Bezug: Prüfung gegen definiertes Profil.
- Dokumenten-Prüfung: CV, Auszüge, Referenzen.
- Strukturiertes Gespräch: mit Vertiefung kritischer Punkte.
- Referenzen-Check: mindestens 3 unabhängige Referenzen.
- Konflikt-Prüfung: Mandate, Geschäftsbeziehungen, Familien-Beziehungen.
Erforderliche Dokumente
- Aktueller Board CV.
- Strafregister-Auszug (typisch nicht älter als 3 Monate).
- Betreibungsregister-Auszug.
- Selbst-Auskunft zu Mandaten und Interessenkonflikten.
- Referenzen: mindestens 3 Personen.
- Ausbildungs- und Zertifizierungs-Nachweise.
- Bei FINMA-Branchen: zusätzliche formelle Formulare.
Häufige Probleme
- Unvollständige Dossiers verzögern die Prüfung.
- Verschwiegene Mandate oder Konflikte werden aufgedeckt.
- Reputations-Recherche offenbart problematische Vergangenheits-Themen.
- Zeitbudget wird unrealistisch angesetzt.
- Aktualität der Kompetenzen wird überschätzt.
Konsequenzen negativer Prüfung
In FINMA-Branchen verweigert die Aufsicht die Bewilligung oder verlangt eine Auswechslung. Bei intern festgestellten Bedenken wird die Kandidatur typisch nicht weiterverfolgt. Bei nachträglichen Problemen kann die FINMA eine Abberufung verlangen. Bei nicht-regulierten Branchen liegt die Konsequenz im Ermessen des VR, bei Schwere ist Demission oder Abberufung angezeigt.
Aktualität
Die Anforderungen verschärfen sich durch:
- Compliance-Druck auf alle Branchen.
- ESG-Berichterstattung mit Integritäts-Komponente.
- Reputations-Risiken durch soziale Medien.
- Internationale Standards (EBA Guidelines, Basel-Anforderungen).
Abgrenzung
- Mandatsannahmeprüfung: durch die Kandidatin selbst, Fit-and-Proper durch die Gesellschaft.
- Anforderungsprofil VR: beschreibt das Soll, Fit-and-Proper prüft die Person dagegen.
- Unabhängigkeitsprüfung: spezifischer Teil-Aspekt, Fit-and-Proper ist umfassender.
Häufige Fragen
Was ist eine Fit-and-Proper-Prüfung?
Welche Branchen verlangen eine formelle Fit-and-Proper-Prüfung?
Was bedeutet "fit" und "proper" konkret?
Wer führt die Fit-and-Proper-Prüfung durch?
Welche Dokumente werden für eine Fit-and-Proper-Prüfung benötigt?
Was passiert bei einer negativen Fit-and-Proper-Beurteilung?
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