Nominationsausschuss
VR-Ausschuss zur Vorbereitung der VR- und GL-Besetzung, mit Verantwortung für Anforderungsprofile, Kandidatensuche, Nachfolgeplanung und Zusammensetzungs-Reflexion.
Definition
Ein Nominationsausschuss, international meist Nomination Committee, ist ein vorbereitender VR-Ausschuss für Besetzungs- und Nachfolge-Themen. Er bereitet Anforderungsprofile, Kandidatensuche, Wahl-Vorschläge und Nachfolgeplanung vor, ohne die finalen Entscheidungen zu treffen, die beim Gesamt-VR oder bei der Generalversammlung bleiben.
Der Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance empfiehlt den Nominationsausschuss in Ziff. 24 für börsenkotierte Gesellschaften. Bei kleineren Gesellschaften übernimmt das VR-Präsidium die Funktion direkt, bei mittleren oft ein kombiniertes Nomination & Compensation Committee.
Aufgaben
Anforderungsprofile und Board Skills Matrix
- Pflege der Board Skills Matrix.
- Aktualisierung der Anforderungsprofile.
- Strategie-Abgleich der Soll-Kompetenzen.
Nachfolgeplanung
- VR-Nachfolge: gestaffelte Erneuerung, Präsidium-Nachfolge.
- CEO-Nachfolge: laufende Vorbereitung, Notfall-Plan.
- GL-Nachfolge: Pipeline-Management, Talentförderung.
Suche und Auswahl
- Pipeline-Aufbau für künftige Vakanzen.
- Suchverfahren bei akuten Vakanzen.
- Selektion und strukturierte Prüfung.
- Wahl-Vorschläge an Gesamt-VR und Generalversammlung.
Beurteilung und Effektivität
- VR-Effektivität: Board Evaluation begleiten.
- Individuelle Beurteilung der Mitglieder.
- Renewal-Empfehlungen.
Diversitäts-Strategie
- Pipeline-Pflege mit Diversitäts-Dimensionen.
- Geschlechterrichtwerte nach OR Art. 734f umsetzen.
- Diversitäts-Reporting intern und extern.
Onboarding
- Begleitung neuer Mitglieder.
- Strukturiertes Programm in ersten 100 Tagen.
Zusammensetzung
- 3 bis 5 VR-Mitglieder.
- Mehrheitlich unabhängig (Swiss Code-Empfehlung).
- VR-Präsident oder Lead Independent Director als Vorsitz.
- GL nicht Mitglied, kann beigezogen werden (insbesondere CEO und HR bei GL-Nachfolge).
Wann notwendig
Verbindlich
- Börsenkotierte Gesellschaften gemäss Swiss Code (Comply-or-Explain).
- Regulierte Branchen oft mit spezifischen Anforderungen.
Empfohlen
- Ab ungefähr 50 Mitarbeitenden oder 20 Millionen Franken Umsatz.
- Mit institutionellen Investoren.
- Diversifizierte Strukturen oder Konzerne.
- Aktive Internationalisierung oder Nachfolge.
Nicht notwendig
- Kleine KMU mit VR-Präsidium-Funktion.
- Stiftungen mit klar definierter Wahl-Logik.
Sitzungs-Rhythmus
- 3 bis 6 Mal pro Jahr als Standard.
- Mehr bei aktiven Suchprozessen.
- Ad hoc bei kritischen Ereignissen.
- Jährliche Pipeline-Reflexion.
- Jährliche Diversitäts-Reflexion.
Dokumentation
- Sitzungs-Protokolle.
- Beschluss-Vorlagen an Gesamt-VR.
- Pipeline-Stand als laufendes Dokument.
- Board Skills Matrix als visualisierter Stand.
- Jährlicher Tätigkeitsbericht im Geschäftsbericht (bei börsenkotierten Gesellschaften).
Schnittstellen
- VR-Gesamt: Vorbereitung, finale Entscheidungs-Kompetenz.
- Compensation Committee: Vergütungs-Aspekte der Besetzung.
- Audit Committee: Finanz-Kompetenz-Anforderungen.
- GL und HR: GL-Nachfolge und Talent-Pipeline.
- Externe Berater: Executive Search, Diversitäts-Beratung, vrmandat.com und vergleichbare Plattformen.
Häufige Fehler
- Pflichten-Auslassung beim Pipeline-Aufbau.
- Reaktive Suche statt strategischer Vorbereitung.
- Fehlende Diversitäts-Reflexion.
- Dominante Rolle des VR-Präsidenten ohne echte Ausschuss-Arbeit.
- Mangelnde Dokumentation der Reflexion.
- Fehlende externe Beratung bei spezifischen Themen.
- Vermischung mit Compensation-Themen ohne klare Trennung.
Rolle bei Diversitäts-Themen
Der Nominationsausschuss ist zentral für die Umsetzung der Geschlechterrichtwerte nach OR Art. 734f bei börsenkotierten Gesellschaften. Er pflegt die Diversitäts-Strategie, baut die Diversity Pipeline auf, reflektiert die Zusammensetzung mehrdimensional und berichtet jährlich an Gesamt-VR und Aktionäre.
Aktualität
Bedeutung wächst durch:
- Geschlechterrichtwerte nach OR Art. 734f.
- Investoren-Druck auf strukturierte Nachfolge.
- Proxy-Advisor-Erwartungen.
- ESG-Berichterstattung mit Governance-Komponente.
- Professionalisierungs-Druck in KMU.
Abgrenzung
- Compensation Committee: "Wieviel"-Funktion, Nominationsausschuss ist "Wer"-Funktion.
- Audit Committee: Finanz-Aufsicht, Nominationsausschuss ist Personal-Vorbereitung.
- Gesamt-VR: Entscheidungs-Kompetenz, Nominationsausschuss ist Vorbereitung.
- Generalversammlung: Wahl-Kompetenz nach OR Art. 707, Nominationsausschuss bereitet vor.
Häufige Fragen
Was ist ein Nominationsausschuss?
Welche Aufgaben hat der Nominationsausschuss?
Wer sitzt im Nominationsausschuss?
Wann braucht eine Gesellschaft einen Nominationsausschuss?
Wie unterscheidet sich der Nominationsausschuss vom Compensation Committee?
Was sind häufige Fehler bei Nominationsausschüssen?
Wie oft tagt ein Nominationsausschuss?
Welche Rolle spielt der Nominationsausschuss in der Diversitäts-Strategie?
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