Next Generation (Familienunternehmen)
Die heranwachsende Generation einer Unternehmer-Familie, die auf künftige Eigentums-, VR- oder GL-Rollen vorbereitet wird.
Definition
Next Generation bezeichnet im Kontext eines Familienunternehmens die heranwachsende Generation einer Unternehmer-Familie, die auf künftige Eigentums-, VR- oder GL-Rollen vorbereitet wird. Sie umfasst typisch Kinder und Enkel der bestehenden Eigentümer, je nach Familien-Struktur auch Anverwandte oder weitere Familien-Zweige.
Die Vorbereitung der Next Generation ist eine der zentralen Aufgaben der Familien-Governance. Sie entscheidet über die Zukunfts-Fähigkeit des Unternehmens, die Konflikt-Stabilität der Familie und die Reife des Generationswechsels. Eine professionelle Vorbereitung erstreckt sich typisch über 15 bis 25 Jahre, von den späten Teenager-Jahren bis zum konkreten Mandats-Antritt im VR oder in der GL.
Mechanismus
Reife-Phasen
Die Vorbereitung der Next Generation verläuft typisch in fünf Phasen:
- Initial-Phase (15 bis 20 Jahre): Werte-Vermittlung, Geschichte des Unternehmens, erste Praktika.
- Ausbildungs-Phase (20 bis 25 Jahre): akademische Ausbildung, internationale Erfahrung, erste Profession.
- Externe Profession (25 bis 35 Jahre): mehrjährige Tätigkeit in anderen Unternehmen, oft im selben Sektor oder in spezifischer Funktion (Finanzen, Strategie, Operations).
- Übungs-Mandate (30 bis 40 Jahre): VR-Mandate in Stiftungen, kleineren Gesellschaften, Verbänden zur Mandats-Erfahrung.
- Mandats-Antritt (ab 35 bis 45 Jahren): konkretes VR- oder GL-Mandat im eigenen Familien-Unternehmen.
Diese Phasen sind nicht starr, sie schaffen aber die Grundlage für eine fundierte Eignungs-Beurteilung.
Strukturelle Anforderungen
Eine professionelle Vorbereitung verlangt:
- Klare Qualifikations-Anforderungen in der Familienverfassung.
- Externe Erfahrung ausserhalb des eigenen Unternehmens.
- Family-Business-Education an spezialisierten Schulen.
- Mentoring durch erfahrene VR-Mitglieder oder externe Begleitung.
- Übungs-Mandate mit echter Verantwortung.
- Ehrliche Eignungs-Diskussion im Familienrat.
- Plan-B-Logik für nicht-geeignete Familien-Mitglieder.
Family Business Education
In der Schweiz wichtige Bildungs-Angebote:
- IMD Lausanne mit dem Global Family Business Center.
- HSG St. Gallen mit dem Center for Family Business.
- Hochschule für Wirtschaft Luzern mit Schwerpunkt KMU.
International:
- INSEAD Wendel International Centre for Family Enterprise.
- Harvard Family Office.
- Cambridge Family Enterprise Group.
Diese Programme vermitteln Family-Governance, Konflikt-Mechanismen, Übergangs-Logik und Netzwerke zu anderen Unternehmer-Familien.
Praxis Schweiz
Familien-KMU
In der Schweiz dominiert bei Familien-KMU eine pragmatische Vorbereitung mit hoher Variabilität. Manche Familien beginnen früh und strukturiert, andere überlassen die Vorbereitung dem Zufall und reagieren erst bei akuten Übergangs-Fragen.
Typisches Schweizer Muster: jüngere Familien-Generation absolviert eine Hochschul-Ausbildung in Wirtschaft, Recht oder Ingenieurwissenschaften, sammelt 5 bis 10 Jahre Berufs-Erfahrung extern (oft im selben Sektor), tritt dann in mittlere Management-Funktionen im eigenen Unternehmen ein, übernimmt erst nach mehrjähriger interner Reife eine GL-Funktion, das VR-Mandat folgt typisch noch später. Eine direkte Übernahme als CEO oder VRP nach Hochschule ist selten und meist nicht erfolgreich.
Konzern und börsenkotiert
Bei grösseren Familien-Konzernen und börsenkotierten Familien-Gesellschaften ist die Vorbereitung formalisiert. Family Office, Familienrat und externe VR-Mitglieder beobachten die Reife. Die Übergangs-Logik ist mit Kapitalmarkt-Anforderungen abzustimmen.
Bei börsenkotierten Familien-Gesellschaften gilt: Familien-Mitglieder müssen sich für VR- oder GL-Rollen am Markt qualifizieren, nicht nur in der Familie. Proxy Advisors und institutionelle Investoren prüfen Eignung kritisch. Eine Family-Member-Wahl ohne externe Reputation und Erfahrung kann an der Generalversammlung scheitern.
Anverwandte und Familien-Zweige
In modernen Familien-Konstellationen sind Anverwandte (Ehegatten, Partner) und mehrere Familien-Zweige zu berücksichtigen. Die Familienverfassung regelt, wer welche Rolle spielen darf. Typisch sind Anverwandte ohne Eigentums- und Mandats-Rechte, aber mit informationeller Einbindung. Mehrere Familien-Zweige verlangen oft Quoten- oder Rotations-Logik im VR.
Häufige Fehler
- Geburts-Recht statt Eignung: ältestes oder männliches Kind wird ohne Eignungs-Prüfung gewählt.
- Fehlende externe Erfahrung: direkte Übernahme aus Hochschule.
- Vermischung Familie und Unternehmen: keine Trennungs-Logik in der Rollen-Definition.
- Keine Plan-B-Logik: für Familien-Mitglieder ohne Eignung oder Interesse.
- Fehlende Family-Business-Education: keine spezialisierte Vorbereitung.
- Konflikt-Scheu: Vermeidung ehrlicher Eignungs-Gespräche.
- Erwartungs-Druck: Jugendliche werden ohne Wahl-Freiheit auf Rolle vorbereitet.
- Vergessen der Anverwandten: Ehegatten und Partner werden in der Familien-Governance nicht reflektiert.
Abgrenzung
- Familienunternehmen: der Unternehmens-Typ, Next Generation ist eine seiner Schlüssel-Aufgaben.
- Familienverfassung: Grundlagen-Dokument, definiert Regeln für Next Generation.
- Familienrat: Gremium, das die Vorbereitung organisiert.
- Nachfolgeplanung: Gesamt-Prozess für Führungs-Übergänge, Next Generation ist deren familien-spezifische Komponente.
- Board Readiness: allgemeine Mandatsreife, Next-Generation-Vorbereitung ist deren familien-spezifische Variante.
Häufige Fragen
Wer ist Next Generation im Familienunternehmen?
Wie wird die Next Generation auf VR-Rollen vorbereitet?
Welche Rolle spielt der Familienrat?
Welche Risiken gibt es bei der Next-Generation-Vorbereitung?
Was ist Family Business Education?
Wann ist eine Next-Generation-Person reif für VR-Mandate?
Wie werden Anverwandte berücksichtigt?
Was sind häufige Fehler in der Next-Generation-Vorbereitung?
Verwandte Einträge
- Familienunternehmen — Unternehmen, bei dem Eigentum, Führung oder Kontrolle wesentlich durch eine Familie geprägt sind.
- Familienrat — Gremium in Familienunternehmen zur Klärung von Eigentümer-, Familien- und Nachfolgefragen.
- Familienverfassung — Schriftliches Grundlagen-Dokument einer Unternehmer-Familie, das Werte, Spielregeln, Rollen und Übergänge zwischen Familie und Unternehmen kodifiziert.
- Nachfolgeplanung — Systematische Vorbereitung des Übergangs in Führungspositionen — kritische VR-Aufgabe für Verwaltungsrat selbst und für CEO/Geschäftsleitung.
- Board Readiness — Individuelle Mandatsreife einer Person für ein VR-Mandat, geprüft an Kompetenz, Erfahrung, Persönlichkeit, Verfügbarkeit und Konflikt-Lage.
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