Executive Session (VR)
VR-Sitzungs-Format ohne Anwesenheit der Geschäftsleitung als Raum für sensible Diskussionen über CEO-Performance, Nachfolge und VR-interne Themen.
Definition
Eine Executive Session ist ein VR-Sitzungs-Format, bei dem die Geschäftsleitung (CEO, CFO, andere GL-Mitglieder) nicht anwesend ist. Sie dient als Raum für sensible Diskussionen über CEO-Performance, Vergütung, Nachfolgeplanung, VR-interne Themen oder strategische Fragen, die in Anwesenheit der GL gehemmt würden.
Executive Sessions sind international Best Practice. In den USA seit Sarbanes-Oxley fest verankert, in UK durch den FRC Code etabliert. In der Schweiz noch weniger formalisiert, aber bei börsenkotierten Gesellschaften und reifen KMU zunehmend Standard.
Aufbau und Inhalt
Eine Executive Session hat klare Struktur und Inhalte.
Format-Varianten
- Am Ende jeder VR-Sitzung als fester Tagesordnungspunkt.
- Separate Sitzung bei besonderem Anlass.
- Im Anschluss an Strategie-Klausur.
- In Begleitung externer Berater (Anwalt, Revisionsstelle) ohne GL.
Teilnehmer-Kreis
- Standardform: nur VR-Mitglieder.
- Mit Lead Independent Director bei VRP-CEO-Personalunion.
- Mit externem Berater bei spezifischen Fragen.
- Ohne Hauptaktionär bei Interessenkonflikten.
Typische Themen
- CEO-Performance und Feedback.
- CEO-Vergütungs-Beschlüsse.
- Nachfolgeplanung CEO und GL.
- GL-Zusammensetzung und -Veränderungen.
- Strategische Schwächen der GL-Vorlagen.
- Compliance-Vorfälle in der GL.
- VR-Selbstreflexion und Sitzungs-Kultur.
- Diskussion mit Revisionsstelle ohne GL.
- Sensible M and A-Frühphasen.
Diskussions-Format
- Offen, ohne formelle Reihenfolge.
- Vertraulich, keine Notizen ausserhalb.
- Strukturiert durch VRP.
- Beschlüsse werden ordentlich gefasst.
Dokumentation
- Kurzes Protokoll nur mit Beschlüssen.
- Detail-Diskussionen nicht protokolliert.
- Sichere Aufbewahrung beim VRP.
- Beschlüsse fliessen in ordentliche Sitzungs-Dokumentation ein.
Kommunikation an GL
- Resultate kommuniziert, Diskussion nicht.
- Transparenz über das Format, nicht den Inhalt.
- Bei kritischen Entscheidungen direktes Gespräch.
Praxis Schweiz
In der Schweizer VR-Praxis ist die Verbreitung ungleich.
Bei börsenkotierten Gesellschaften
Zunehmend Standard. Proxy Advisors (ISS, Glass Lewis) erwarten dokumentierte Executive Sessions als Teil guter Governance. Bei dualer VRP-CEO-Rolle Lead Independent Director-Funktion erwartet.
Bei grösseren KMU
Wachsende Praxis, oft bei Eigentümer-Wechseln oder strategischen Umbrüchen erstmals eingeführt. Bei Familien-AGs sensible Frage, da Familien-Eigentümer oft auch in der GL sitzen.
Bei PE-Beteiligungen
PE-Investoren bestehen oft auf regelmässigen Executive Sessions, um GL kritisch zu würdigen und Wert-Schaffungs-Pläne zu überwachen.
Bei kleinen VRs und Start-ups
Selten formal. Oft Vermischung von VR und GL, da Hauptaktionäre operativ tätig. Trotzdem ist die Disziplin wichtig, besonders bei strategischen Krisen.
Rolle des VRP
Der VRP ist Gestalter der Executive Session. Er entscheidet über Themen, Format und Häufigkeit. Bei mangelnder Reife des VRP fehlen Executive Sessions oft.
Rolle Lead Independent Director
Bei VRP-CEO-Personalunion ist die Lead Independent Director-Funktion essenziell. Sie leitet Executive Sessions in Abwesenheit der CEO/VRP-Person.
Dauer und Frequenz
Typisch 30 bis 60 Minuten am Ende einer VR-Sitzung. Bei besonderen Anlässen mehrstündig. Bei börsenkotierten Gesellschaften mindestens viermal pro Jahr.
Kommunikation
Transparenz über das Format ist wichtig: GL weiss, dass Executive Sessions stattfinden, und kennt die typischen Themen. Geheimniskrämerei führt zu Misstrauen.
Vertraulichkeit
Strenge Vertraulichkeit der Inhalte ist zentral. Verletzungen können das Vertrauen im VR und zwischen VR und GL nachhaltig stören.
Häufige Fehler
Typische Schwächen bei Executive Sessions.
Strukturelle Probleme
- Nicht als fester Tagesordnungspunkt etabliert.
- Nur bei Krisen, nicht regelmässig.
- Format zu informell, keine echte Disziplin.
- Keine klare Leitungs-Rolle bei VRP-CEO-Personalunion.
Kultur-Probleme
- VRP scheut Konfrontation, vermeidet Executive Sessions.
- GL fühlt sich ausgeschlossen, Misstrauen entsteht.
- Themen werden vermieden, Konsens ohne Substanz.
- Vertraulichkeits-Verletzungen zerstören Vertrauen.
Prozess-Probleme
- Ohne Tagesordnung, ineffizient.
- Keine Vorbereitung, oberflächliche Diskussionen.
- Beschlüsse nicht ordentlich dokumentiert.
- Keine klare Kommunikation der Resultate an GL.
Personen-Probleme
- VRP nutzt Executive Session für persönliche Agenda.
- Hauptaktionärs-Interessen dominieren.
- Lead Independent Director wahrt nicht Unabhängigkeit.
- Externe Berater werden parteiisch.
Strategische Probleme
- CEO-Performance wird nie kritisch besprochen.
- Nachfolgeplanung wird vermieden.
- Vergütungs-Entscheidungen ohne Vorbereitung.
- Strategische Bedenken werden nicht eskaliert.
Compliance-Probleme
- Beschlüsse ohne formelle Sitzungs-Grundlage.
- Stimm-Ergebnisse nicht dokumentiert.
- Interessenkonflikte nicht offengelegt.
- Anwesenheit nicht protokolliert.
Abgrenzung
Die ordentliche VR-Sitzung ist mit GL-Anwesenheit (zumindest CEO und CFO). Die Executive Session ist ohne GL.
Ein Audit Committee tagt häufig mit Revisionsstelle und CFO ohne CEO. Dies ist eine spezielle Form der Executive Session, fokussiert auf Finanzen und IKS.
Closed Sessions in US-amerikanischer Terminologie umfassen verschiedene Formate, darunter Executive Sessions. In der Schweiz ist die Terminologie weniger differenziert.
Strategie-Klausuren sind mehrtägige Sitzungen, oft mit GL-Anwesenheit. Executive Sessions können Teil oder Anschluss daran sein.
Häufige Fragen
Was ist eine Executive Session im VR?
Warum sind Executive Sessions wichtig?
Wie oft sollten Executive Sessions stattfinden?
Wer leitet eine Executive Session?
Was wird in Executive Sessions besprochen?
Wie wird eine Executive Session protokolliert?
Wie reagiert die GL auf Executive Sessions?
Welche rechtliche Bedeutung haben Executive Sessions?
Verwandte Einträge
- Geschäftsordnung VR — Internes Regelwerk des Verwaltungsrats — definiert Sitzungsabläufe, Beschlussverfahren, Ausschüsse und interne Kommunikation.
- Sitzungsrhythmus — Frequenz und Struktur der ordentlichen Verwaltungsratssitzungen — Grundlage einer funktionierenden Mandatsführung und gesetzlich nicht vorgeschriebener Standard.
- Lead Independent Director — Sprecher der unabhängigen VR-Mitglieder, eingesetzt wenn der Verwaltungsratspräsident nicht unabhängig ist.
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