STI (Short Term Incentive)
Kurzfristige variable Vergütungskomponente — Jahresbonus für Geschäftsleitung, gekoppelt an operative Jahresziele und meist in bar ausgezahlt.
Definition
Ein Short-Term Incentive (STI) ist eine jährliche variable Vergütungskomponente, die an die Erreichung operativer Jahresziele gekoppelt ist. STI wird typischerweise im Folgejahr nach Genehmigung der Jahresrechnung in bar ausgezahlt und bildet den klassischen Jahresbonus für Geschäftsleitungs-Mitglieder und Kaderfunktionen.
STI ist das kurzfristige Gegenstück zum Long-Term Incentive (LTI) und gehört zum Standard-Repertoire moderner Executive Compensation. Bei Verwaltungsräten kommt STI in der Schweiz praktisch nicht vor, weil Performance-Anreize die Unabhängigkeit der Aufsichtsfunktion verzerren könnten.
Mechanismus/Funktionsweise
Ein STI-Plan strukturiert sich typischerweise entlang mehrerer Bausteine.
Zielvereinbarung
Zu Beginn des Geschäftsjahres werden Performance-Ziele zwischen Verwaltungsrat (für CEO) bzw. CEO (für übrige GL) und dem jeweiligen Manager vereinbart. Die Ziele werden in der Regel vom Compensation Committee vorgeprüft und vom Gesamt-VR genehmigt.
Ziel-Mix
Best Practice gewichtet:
- Finanzielle KPIs: 50 bis 70% (EBIT, EBITDA, Umsatzwachstum, Cashflow, ROIC)
- Strategische KPIs: 20 bis 30% (Marktanteil, Projekt-Meilensteine, Transformationsfortschritt)
- Individuelle KPIs: 10 bis 20% (Führung, Talententwicklung, Kulturarbeit)
- ESG-KPIs: zunehmend 5 bis 15% (CO2-Reduktion, Diversität, Sicherheit)
Auszahlungs-Mechanik
Eine typische Threshold-Target-Cap-Struktur:
- Threshold: Unter 80% Ziel-Erreichung kein Bonus.
- Target: Bei 100% Ziel-Erreichung wird der Ziel-STI ausgezahlt.
- Stretch/Cap: Bei 120 bis 150% Ziel-Erreichung Maximum.
- Lineare Interpolation zwischen den Stufen.
Auszahlungsperiode
Die Auszahlung erfolgt im Folgejahr, nach Genehmigung der Jahresrechnung durch VR oder GV. Bei börsenkotierten Gesellschaften muss der Gesamtbetrag im Vergütungsbericht offengelegt und konsultativ von der GV abgestimmt werden.
Bonus-Pool-Modelle
Manche Gesellschaften definieren einen Gesamt-Bonus-Pool als Prozentsatz vom EBIT oder Cashflow, der dann nach Performance-Bewertung verteilt wird. Diese Modelle sind transparent, schaffen aber Pool-Verteilungs-Konflikte zwischen GL-Mitgliedern.
Praxis in der Schweiz
Die STI-Praxis in der Schweiz folgt eingespielten Mustern entlang Gesellschaftsgrösse.
KMU und Mittelstand
- CEO: STI 30 bis 80% des Fixums, oft mit Diskretionärspielraum.
- CFO und erweiterte GL: STI 20 bis 50% des Fixums.
- Auszahlung: überwiegend in bar.
- Performance-Bedingungen: häufig formlos, basierend auf VR-Beurteilung.
Börsenkotierte mittlere Gesellschaften
- CEO: STI 80 bis 150% des Fixums.
- GL: STI 50 bis 100% des Fixums.
- Formale Ziel-Strukturen mit klaren KPIs.
- Vergütungsbericht-Pflicht nach OR Art. 734.
SMI- und SMIM-Gesellschaften
- CEO: STI 100 bis 300% des Fixums.
- GL: STI 80 bis 200% des Fixums.
- Sophistizierte KPI-Strukturen mit relativer Performance-Messung.
- ESG-KPI-Integration weitgehend Standard.
Regulatorischer Rahmen
- OR Art. 735: bindende GV-Abstimmung über Gesamtbetrag der GL-Vergütung inklusive STI.
- OR Art. 734: Vergütungsbericht-Pflicht mit Detail-Offenlegung.
- VegüV: Verbot bestimmter Vergütungspraktiken (z.B. Antrittsprämien).
- Aktienrechtsrevision 2023: verschärfte Transparenzpflichten, ESG-Reporting-Integration.
Häufige Fehler
Typische Schwächen in STI-Plänen.
- Zu weiche Performance-Bedingungen: Bonus wird in fast jedem Jahr voll ausgezahlt, unabhängig von tatsächlicher Performance.
- Übermässige Komplexität: Mitarbeitende verstehen die Mechanik nicht und können nicht steuern.
- Diskretionärspielraum ohne Regeln: Bonus-Pool wird intransparent verteilt, schafft Konflikte.
- Fehlende Strategie-Verbindung: KPIs spiegeln nicht die strategischen Prioritäten.
- Mid-Year-Adjustments: Bei schlechter Performance werden Ziele aufgeweicht.
- Zu hohe Caps: mindern die Disziplinierungswirkung der Performance-Bedingungen.
- Single-KPI-Fokus: Manager optimieren auf eine Zahl und vernachlässigen andere Dimensionen.
- Fehlende Clawback-Klauseln: Bei Bilanzmanipulation keine Rückforderbarkeit.
- Inkonsistenz im Team: unterschiedliche Logiken für verschiedene GL-Mitglieder.
- Anrechnung von Sondererfolgen: M&A-Beiträge oder Einmaleffekte erhöhen den STI ohne nachhaltige Wertschaffung.
Abgrenzung
- LTI (Long-Term Incentive): mehrjährige variable Komponente — STI ist die jährliche.
- Fixvergütung: der feste Anteil — STI ist variabel.
- Erfolgsbeteiligung: breiterer Begriff, der STI als spezielle Ausprägung umfasst.
- Bonus: umgangssprachlich für STI verwendet, technisch identisch.
- Provision: umsatzgebundene Vergütung, primär im Vertrieb — STI ist auf Geschäftsergebnis bezogen.
- Aktienbasierte Vergütung: STI wird üblicherweise in bar, nicht in Aktien ausgezahlt.
Häufige Fragen
Was ist ein Short-Term Incentive (STI)?
Wie hoch ist ein typischer STI in der Schweiz?
Welche Performance-Ziele werden bei STI verwendet?
Wie funktioniert die STI-Auszahlungs-Mechanik?
Können STI-Auszahlungen zurückgefordert werden?
Welche regulatorischen Vorgaben gelten in der Schweiz?
Was sind häufige Fehler bei STI-Plänen?
Was ist der Unterschied zwischen STI und LTI?
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