Verwaltungsratspräsident (VRP / Chairman)
Vorsitzender des Verwaltungsrats mit besonderen Aufgaben und einem Stichentscheid bei Stimmengleichheit.
Definition
Der Verwaltungsratspräsident (VRP), international auch Chairman of the Board oder Board Chair, ist der Vorsitzende des Verwaltungsrats einer Aktiengesellschaft. Die Position wird durch den Verwaltungsrat aus seiner Mitte gewählt — bei börsenkotierten Gesellschaften ist seit der Aktienrechtsrevision 2023 die Wahl durch die Generalversammlung Pflicht (OR Art. 712 Abs. 1).
Aufgaben
Die Aufgaben des VRP sind teils gesetzlich, teils durch Statuten und Organisationsreglement geregelt:
- Einberufung und Leitung der Verwaltungsratssitzungen.
- Festlegung der Traktandenliste in Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung.
- Stichentscheid bei Stimmengleichheit im VR (OR Art. 713 Abs. 1), sofern Statuten oder Reglement nichts anderes vorsehen.
- Externe Repräsentation der Gesellschaft gegenüber Aktionären, Medien, Behörden.
- Direkte Schnittstelle zum CEO: laufende Information und strategische Diskussion.
- Vorbereitung und Leitung der Generalversammlung.
- Krisenmanagement: bei strategischen oder reputationskritischen Ereignissen.
Stellung im VR
Der VRP ist primus inter pares — erste unter Gleichen. Er hat formal nicht mehr Stimmrechte als andere VR-Mitglieder (ausser im Stichentscheid). Sein Einfluss ergibt sich aus:
- der Steuerung der Agenda und Sitzungsdynamik.
- der direkten Schnittstelle zur Geschäftsleitung.
- der typischerweise höheren Reputation und Erfahrung.
- der externen Repräsentations-Funktion.
Trennung VR-Präsident und CEO
Ein zentrales Governance-Thema: soll der VRP gleichzeitig CEO sein (Dualstruktur / „Chairman & CEO") oder strikt getrennt (Trennungsstruktur)?
Pro Trennung (Schweizer und europäische Praxis, OECD-Empfehlung): klare Kontrollfunktion des VR über die Geschäftsleitung, weniger Konzentration von Macht, bessere Voraussetzung für die Wahrnehmung der Aufsichtsfunktion.
Pro Dualstruktur (oft in USA): klare Verantwortlichkeit, schnellere Entscheidungen, einheitliche Aussenwirkung — wird aber zunehmend kritisch gesehen, auch von US-Institutionellen.
Im Swiss Code of Best Practice und in den meisten Schweizer börsenkotierten Gesellschaften ist die Trennung Standard. Eine Personalunion wird selten und meist nur temporär (z.B. in Übergangssituationen) gewählt.
Vergütung
Die Vergütung des VRP liegt typischerweise über jener der übrigen VR-Mitglieder — Faktor 2 bis 5 ist branchenüblich. Komponenten: Fixum, Sitzungsgelder, allenfalls Aktien (LTI). Bei börsenkotierten Gesellschaften unterliegt die Vergütung der bindenden Abstimmung der GV (OR Art. 735 ff., Minder-Initiative).
Vize-VRP
Der Verwaltungsrat wählt typischerweise auch einen Vizepräsidenten, der den VRP bei Verhinderung vertritt. Die Position ist nicht zwingend gesetzlich vorgeschrieben, in den meisten Statuten aber vorgesehen.
Abgrenzung
- CEO: Vorsitzender der Geschäftsleitung, anderes Organ — operative statt strategische Führung.
- Delegierter des VR: VR-Mitglied mit Geschäftsführungskompetenzen, in kleineren Gesellschaften manchmal mit der CEO-Rolle zusammenfallend.
- Vizepräsident des VR: Stellvertreter bei Verhinderung des Präsidenten.
Häufige Fragen
Was ist ein Verwaltungsratspräsident?
Welche Aufgaben hat der VR-Präsident?
Wer wählt den VR-Präsidenten?
Soll der VRP gleichzeitig CEO sein?
Was verdient ein VR-Präsident?
Hat der VRP mehr Stimmrechte als andere VR-Mitglieder?
Was passiert bei Verhinderung des VR-Präsidenten?
Was unterscheidet VRP und Delegierten des VR?
Was ist ein VRP?
Was macht ein Chairman im Schweizer Recht?
Verwandte Einträge
- Verwaltungsrat (VR) — Oberstes Leitungsorgan der Aktiengesellschaft mit unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben gemäss Obligationenrecht.
- Vizepräsident des Verwaltungsrats — Stellvertreter des Verwaltungsratspräsidenten, übernimmt dessen Funktionen bei Verhinderung.
- CEO (Chief Executive Officer) — Vorsitzender der Geschäftsleitung, oberster operativer Verantwortlicher einer Gesellschaft.